Drei Jahre Kinderwunsch, ein Job, der weiterlief:
was Fertility Benefits wirklich verändern.

Der Blick von der anderen Seite: Eine Mitarbeiterin von Merck beschreibt, wie sie den Weg zum Wunschkind im Arbeitsalltag erlebt hat - vom Gespräch mit ihrer Führungskraft über die anonyme Abrechnung des Fertility Benefits bis zu der Entscheidung, nach der Elternzeit zurückzukehren.

Erfahrungsbericht · Interview vom 15. Juni 2026 · rund 5 Minuten Lesezeit
Anonymisiert Anonymisiert

Die Mitarbeiterin

Anonym

Mitarbeiterin, Merck

Drei Jahre Weg zum Wunschkind: zwei Eileiterschwangerschaften, mehrere IVF- und ICSI-Behandlungen, Hormontherapien und Transfers. Parallel dazu ein Job, der weiterging, ein Team, das nichts wusste, und eine Führungskraft, der sie alles erzählt hat. Heute ist sie in Elternzeit, ihre Tochter ist neun Monate alt.

Der Bericht ist auf Wunsch der Mitarbeiterin anonymisiert. Die Nennung des Unternehmens erfolgt mit ihrer Freigabe.

Christin Schrörs

Die Expertin

Christin Schrörs

Systemische Coach & Beraterin für Fertility Benefits

Früher Head of People Development, mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in einem DAX-Konzern, heute begleite ich Unternehmen dabei, Kinderwunsch und Familienplanung als Thema für ihre Belegschaft zu erkennen und zu gestalten: von der Standortbestimmung über passende Leistungen und Angebote bis zur internen Kommunikation und Schulung von Führungskräften.

Kontext des Berichts

Drei Jahre, die auf dem Papier unsichtbar blieben

Drei Jahre hat der Weg gedauert. Zwei Eileiterschwangerschaften, mehrere ICSI- und IVF-Behandlungen, Hormonbehandlungen, Transfers. Und parallel dazu ein Job, der weiterging, ein Team, das nichts wusste, und eine Chefin, der sie alles erzählt hat. Heute ist sie in Elternzeit, ihre Tochter ist zum Zeitpunkt des Interviews neun Monate alt. Und sie sagt es mehrfach und ohne Zögern: Sie ist stolz, bei diesem Unternehmen zu arbeiten. Genau diese Perspektive fehlt in den meisten Benefit-Diskussionen - die Sicht derjenigen, für die das Programm gemacht wurde.

Der Bericht · Merck

Von der unsichtbaren Belastung zur erlebten Unterstützung

Key Facts

Unternehmen
Merck
Leistung
Fertility Benefit, anonyme Abrechnung
Weg zum Kind
3 Jahre, mehrere IVF- und ICSI-Zyklen
Wirkung
Rückkehr nach der Elternzeit, gestärkte Bindung
01

Auf dem Papier: keine Einschränkungen

Nach außen hat sie funktioniert. Konstant. Die Leistungsbewertungen blieben gut, Fehlzeiten gab es kaum.

Was nicht sichtbar war: die Phasen des Wartens, in denen Konzentration kaum möglich war. Die Meetings, in denen sie körperlich anwesend war, aber gedanklich auf einen Anruf wartete. Der Krankenhausaufenthalt nach einer Eileiterschwangerschaft, kurzfristig, eine Woche, ohne Vorwarnung.

Dass sie zum großen Teil im Homeoffice arbeitete, hat vieles erleichtert. Arzttermine ließen sich einbauen, ohne Erklärungen, ohne Blicke.

02

Psychologische Sicherheit als Voraussetzung

Dem Team hat sie nichts gesagt. Der Chefin schon. Nicht weil es leicht war, sondern weil das Vertrauen da war.

Sie wollte nicht, dass kurzfristige Ausfälle als Unzuverlässigkeit gewertet werden. Die psychologische Sicherheit in dieser Beziehung hat das Gespräch erst möglich gemacht.

03

Stabilität als wichtigste Priorität

Während der Phase der Familiengründung kam es im Unternehmen zu einer Reorganisation. Im Zuge dessen hätte es die Möglichkeit gegeben, eine neue und vielleicht auch höhere Position anzustreben.

Sie hat sich bewusst dagegen entschieden, weil ihr in dieser Lebensphase Stabilität wichtiger war.

04

Kinderwunsch betrifft alle

Ihr Mann hat in dieser Zeit mit zwei Kollegen in seinem Unternehmen gesprochen, die selbst auch betroffen waren. Sein Arbeitgeber bot kein eigenes Unterstützungsprogramm für den Kinderwunsch an.

05

Was der Fertility Benefit bedeutet hat

Sie hat den Fertility Benefit in Anspruch genommen. Die Abrechnung lief vollständig anonym, unabhängig von der Führungskraft. Die Chefin erfuhr nichts davon. Ihr Arbeitgeber kam auch für Kosten auf, die offiziell dem Partner zugerechnet wurden.

Die Medikamente bekam sie über die Apotheke. Dass ihr Arbeitgeber zufällig genau diese Produkte herstellt, hat sie berührt - eine stille Verbindung zwischen ihrer persönlichsten Lebensphase und dem Unternehmen, für das sie arbeitet. Das Einreichen des Benefits war unkompliziert und einfach.

Was sie fast noch mehr bewegt hat als der Benefit selbst, war die Art, wie er kommuniziert wurde: für alle Familienkonstellationen, ausdrücklich für alle, unabhängig von Beziehungsstatus oder Konstellation. Als unverheiratetes Paar fühlten sie sich damit zum ersten Mal ausdrücklich gesehen.

„Die Kommunikation hat mir gezeigt: Familie ist hier wirklich wichtig. Nicht als Lippenbekenntnis, sondern als echtes Angebot für alle."

Mitarbeiterin, Merck · anonymisiert
06

Das Angebot drumherum

Im Unternehmen gab es anonyme Expertenwebinare zum Thema Kinderwunsch, ohne Namens- oder Bildangabe der Teilnehmenden. Sie hat diese genutzt. Auch kostenloses Coaching über das EAP war verfügbar, dieses hat sie jedoch nicht in Anspruch genommen.

„Allein zu wissen, dass diese Angebote da sind, hat mir ein gutes Gefühl gegeben."

Mitarbeiterin, Merck · anonymisiert
07

Was das für das Unternehmen bedeutet

Auf die Frage, ob ihr Arbeitgeber noch etwas hätte tun können, um sie auf ihrem Weg zur Familiengründung zu unterstützen, verneint sie. Ihre Erfahrung war durchweg positiv.

Ihre Bindung wurde gestärkt. Nach der Elternzeit hätte sie wechseln können, so wie dies viele Frauen nach der Elternzeit tun. Sie tut es nicht.

Sie fühlt sich ihrem Arbeitgeber durch all die Unterstützung auf dem Weg zum Wunschkind verbunden und freut sich, dorthin zurückzukehren.

Was Unternehmen aus diesem Bericht mitnehmen können

Belastung ist unsichtbar - Kennzahlen zeigen sie nicht

Gute Leistungsbewertungen und niedrige Fehlzeiten bedeuten nicht, dass alles in Ordnung ist. Wer Unterstützung erst bei sichtbarem Ausfall anbietet, kommt systematisch zu spät.

Psychologische Sicherheit entscheidet über die Wirkung

Das Gespräch mit der Führungskraft war möglich, weil Vertrauen bestand. Ohne diese Sicherheit bleibt jeder Benefit ungenutzt - Führungskräfte-Enabling ist deshalb Teil des Programms, nicht Beiwerk.

Anonyme Abrechnung ist ein Qualitätsmerkmal

Dass die Erstattung unabhängig von der Führungskraft und ohne Offenlegung lief, war ein zentraler Grund für die Nutzung. Prozessdesign ist hier genauso wichtig wie die Höhe des Zuschusses.

Kommunikation für alle Konstellationen wirkt stärker als der Betrag

Die ausdrückliche Öffnung für alle Familienformen und Beziehungsstatus hat mehr bewegt als die Leistung selbst. Inklusive Sprache ist der Teil, der ankommt.

Partner und Männer mitdenken

Kinderwunsch betrifft Paare. Ihr Arbeitgeber übernahm auch dem Partner zugerechnete Kosten - dessen Arbeitgeber bot nichts an, obwohl mehrere Kollegen betroffen waren.

Der Effekt zeigt sich an der Rückkehrquote

Sie hätte nach der Elternzeit wechseln können und bleibt. Fertility Benefits wirken dort, wo Retention teuer wird - bei erfahrenen Mitarbeiterinnen in der Familiengründungsphase.

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